Flüchtlinge in der Prostitution

Mohammed (Vorname geändert) ist wie so viele syrische und afghanische junge Männer seit 2015 in Österreich. Er wartet immer noch auf seinen Asylbescheid. Viele seiner „Brüder“, wie er seine Freunde nennt, haben den ersten Negativbescheid erhalten und warten auf den zweiten (hoffentlich positiven) Bescheid.

Ohne Aufenthaltstitel haben sie alle quasi Arbeitsverbot. Die minimale Sozialhilfe durch die öffentliche Grundversorgung reicht Monat für Monat nicht wirklich aus, um das Notwendigste (Essen, Kleidung, Hygieneartikel) abzudecken. Stehlen oder mit Drogen dealen will Mohammed nicht – auch aus religiösen Gründen.

Im Fitnesscenter hat ihn 2017 ein Wiener angeredet, ob er ihn trainieren würde. Wer würde in Mohammeds Situation bei 50 Euro in der Stunde, die ihm der Wiener bietet, nein sagen? Klar checkt der Geflüchtete gleich, dass Helmut (Vorname geändert) mehr als nur Trainingstipps will. Mohammed hat seit er 2016 mit dem Kraftsport im nächstbesten Diskonter-Gym begann ordentlich an Muckis zugelegt. Das zieht nicht nur Blicke von Frauen auf sich…

Mohammed genießt die Aufmerksamkeit, auch auf Facebook und Instagram, wo er seine Workout-Fotos und -Videos postet und täglich auch Sex-Angebote, durch die Bank von Männern, erhält. Ab und an trifft er dann auch einen seiner Verehrer, die ihm willig 100, 200 Euro die Stunde zahlen, um mit ihm Zeit zu verbringen, seine Muskeln zu bewundern / anzugreifen oder mehr, sprich Oral- und Analverkehr – ohne Kondom.

Von heute auf morgen ist Mohammed zum Escort, Gigolo, Sexarbeiter mutiert. Ohne sich selbst so zu bezeichnen, ohne Sexualaufklärung und basales Wissen, was AIDS und sexuell übertragbare Krankheiten (STDs) betrifft. Und ohne regelmäßige Untersuchungen, die das Prostitutionsgesetz eigentlich vorsieht. Prekariat pur – eher die Regel als die Ausnahme in Wiens Flüchtlingsunderground.

Auch um sein wie das Infektionsrisiko seiner (illegalen) Kunden zu reduzieren hat die Volkshochschule Landstraße in Kooperation mit „Flucht nach vorne“ eine neue sexualpädagogische Reihe gestartet: Die LOVEBOX bietet in arabischer, persischer, englischer und deutscher Sprache die Möglichkeit anonym Fragen zu stellen und kompetent von einem Experten für Sexuelle Bildung und einer Sexualpädagogin Antwort zu erhalten.

Buchungen für die ersten Termine ab 18. September 2018 sind bereits jetzt möglich! Ein Angebot für alle, die sich zu Liebe, Sexualität und Beziehungsleben weiterbilden möchten. Ein Beitrag zu mehr Wissen, weniger Angst und mehr Freiheit, wie der gesamte Themenschwerpunkt Sexualität an der VHS Landstraße!

Text: Mag. Mario Lackner, diplomierter Sexualpädagoge/-berater, Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Sexualwissenschaften und arbeitete als Experte für Sexuelle Bildung am Nationalen Aktionsplan „Frauengesundheit“ der Republik Österreich mit. Er gestaltet seit 2017 das Vortrags- und Kursprogramm der VHS Landstraße.

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