Mehr Offenheit – weniger Selbstmorde

Und wieder hat sich ein junger Mensch das Leben genommen. Dieser Tage warf sich Jelena (Geburtsname Nikola, Spitzname Niki) vor die U-Bahn. Im Fernseh-Interview meinte sie 2011 »das wichtigste im Leben ist Liebe und Freiheit. Lasst alle leben, wie sie wollen, denn es ist wichtig für die Seele und für das Herz« (im serbokroatischen Original: Najbitnije u životu je ljubav i sloboda, neka svako živi kako hoce, jer to je važno za dušu i za srce).

Jelena, die mit ihrer Herkunftsfamilie wegen dem Jugoslawien-Krieg nach Österreich geflüchtet war, hat es nicht geschafft sich selbst leben zu lassen. Die gesellschaftliche und damit einhergehende familiäre Ablehnung ihrer sexuellen Identität waren letztendlich stärker als ihr Lebenswille. Sie passte nicht in die Schublade »Mann«, in die sie bei ihrer Geburt von der Gesellschaft gesteckt worden war. Sie war mehr Mensch als Mann oder Frau und versuchte als Transgender-Person akzeptiert zu werden.

Die Selbstmordrate bei Menschen mit anderer sexueller Identität und Orientierung, als es in unserer heteronormativen Gesellschaft erwartet wird, ist zigfach höher als die von Personen, die mit dem Geschlecht einverstanden sind, dem sie bei ihrer Geburt zugeordnet wurden und sich sexuell auch so verhalten, wie es von einer Frau oder einem Mann erwartet wird, nämlich heterosexuell.

Lesbische, schwule, bisexuelle, transidente, intersexuelle und queere Menschen (LSBTIQ) haben es auch im Jahr 2018 in Wien, Österreich und EU-weit nicht so leicht wie Hetero-/Zissexuelle eine gesunde, lebensbejahende Einstellung zu sich selbst zu entwickeln. Suizid ist hier nur die Spitze des Eisberges. Andere, lebensverkürzende Verhaltensweisen führen darüber hinaus zu einer geringeren Lebenserwartung.

Wie können wir das verändern, wie können Dramen wie das von Jelena verhindert werden? Offenheit ist die Antwort. Andere Menschen ihre Geschlechtsidentität und ihr Sex- und Liebesleben so gestalten zu lassen, wie sie es möchten! Auch sich selbst so sein zu lassen, wie man ist. Und sich hinter andere zu stellen, wenn diese diskriminiert werden – also auch die Stimme zu erheben, wenn beispielsweise »schwul« oder »Transe« in Gesprächen oder Social-Media-Postings negativ verwendet werden.

Dazu benötigt es auch staatliche Interventionen, die über aktuelle Maßnahmen und die Antidiskriminierungsgesetzgebung hinausreichen: Pluralqueere, Diversity-orientierte Bewusstseinsbildung, wie sie von Expert*innenseite auch im Nationalen Aktionsplan Frauengesundheit der Republik Österreich unter dem Begriff »Sexuelle Bildung« gefordert wird. Ich frage mal bei den neu zuständigen ÖVP/FPÖ-Bundesministerinnen nach, wie es mit der Umsetzung aussieht und was machen Sie und du?

TV-Reportage zu dem Abend, an dem Jelena zur Miss BallCanCan 2013 gewählt wurde:

 

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