Interview mit Tana Trans…whatever!

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Katinka & Tana, die kreativen Hintermänner und Moderator*innen des Träsh Contest (Foto: Mariya Shokalo)

In jedem Menschen schlummern die unterschiedlichsten Fassetten. Im westlich geprägten deutschsprachigen Raum haben wir gelernt viele Fassetten nicht zu leben, ja zu unterdrücken. Meistens entwickeln wir nur eine Persönlichkeit, über die wir unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen pflegen. Bei mir ist das anders. Daher das heutige Interview mit Träsh-Contest-Mastermind TANA TRANS…WHATEVER!

Liebe Tana … Whytana … Gaytana – wie jetzt?

Mein Name ist nicht so wichtig. Mario verkörpert mich seit seiner ehrenamtlichen Arbeit für das Jugendnetzwerk Lambda, ÖJRK, die HOSIs und die Villa Anfang der Nullerjahre; damals noch mit wechselnden Namen und auch heute ist der Sound, mit dem ich bezeichnet werde, nicht fix.

Der Sound?

Der Klang. Manche rufen mich „Tana“, andere „Täna“. Erst kürzlich redete mich mein bester Freund mit „Whytana“ an und manche kennen mich noch aus der Phase, als ich mich aus tiefster Verneigung vor der ukrainischen Song-Contest-Starterin Gaïtana „Gaytana“ nannte.

Ich höre auf viele Namen und bin immer dann zur Stelle, wenn es darum geht im öffentlichen Raum Freude, Fröhlichkeit (gaîté / gayness / gaiezza) und Freiheit zu verbreiten, jenseits aller gesellschaftlicher Grenzen.

Privat existierst du also nicht?

Njet, bis dato jedenfalls nicht. Mein Biotop ist die Bühne, wie zum Beispiel die Moderationen für den ESC-Fanclub OGAE, Miss/Mister BallCanCan-Wahlen, die Langauer Faschingsgilde oder den fabulösen Träsh Contest

…bei dem du auch schon einmal als Märyo-Dana Transnational aufgetreten bist…

Njet, njet, das verwechselst du jetzt mit meiner Moderation der Balkanvizija im Rahmen von BallCanCan. Das muss so 2006/’07 gewesen sein, als ich noch statt deiner Wenigkeit songcontestconsulterisch unterwegs war.

Ups, ja richtig! Bei den vielen Namen und Performances kann man schon einmal straucheln. War der BallCanCan in seiner Gründerzeit mit Sabrina Andersrum, die ungekrönte transbalkanische Königin des pluralqueeren Wiener Undergrounds, die Geburtsstunde von Tana Trans…whatever?

BallCanCan war meine Spielwiese, mein Kinderspielplatz, definitiv. Sabrina hat die wunderbare Gabe allein durch ihre Präsenz Freiräume zu zaubern. Sie ist eine Ermöglicher*in, in deren Umfeld alles sein kann und darf – außer Gewalt. Ich habe in all den Jahren queerer Balkan-Clubbings nie eine Schlägerei erlebt. Frau Andersrum schafft einen Friedenskreis, wie ich ihn seit 2001 aus dem Nachtleben Reykjavíks kenne. „Freedom: you cannot buy it, you must live it“ und das tut sie durch und durch.

Geboren wurde ich aber wie du am 27. Dezember 1978 und ich verneige mich vor deinen Eltern und deinem familiären Umkreis und bin unendlich dankbar, das mich deine Mitmenschen mehrheitlich als Bereicherung willkommen heißen anstatt mich abzulehnen oder gar zu verfolgen. Das ist in einer heteronormativen Gesellschaft wie dieser nicht selbstverständlich!

Dir wurde aber beim zweiten Träsh Contest 2014 durch eine augenscheinlich lesbisch l(i)ebende Person vorgeworfen, deine Perücke sei sexistisch und böse Zungen behaupten du seist eine schlechte Möchtegern-Kopie von Conchita…

Ach, dieser alte Hut! Das ist wie mit den Pyramiden. Die wurden auch auf zwei Kontinenten gleichzeitig erschaffen: Amerika, Afrika und Ägypten. (lacht) Menschen mit Bartwuchs, die im wenig queeren Homo- und Hetero-Mainstream als Männer bezeichnet werden, haben wahrscheinlich schon in grauer Vorzeit dieser zwänglerisch-unentspannten Kultur Kleidung getragen, die dem »anderen« Geschlecht zugeordnet wird.

Tom Neuwirth machte das bereits, bevor ich überhaupt seinen Namen kannte (vgl. „Conchita Wurst – backstage„) und Mario Lackner machte es, bevor er Tom (damals noch ohne Bart) zum ersten Mal 2007 oder so bei einer Castingshow im Fernsehen sah. Außerdem schminke ich mich kaum bis gar nicht und verkörpere damit keine Hommage an eine Diva, sondern eher eine Trümmer-Trash-Transe jenseits von Gut und Böse! (lacht weiter)

Und der Rassismus-Vorwurf, den man dir allein schon wegen folgender Perfomance machen könnte?

Der hat mich doch sehr verblüfft, als der von dir erwähnte junge Mensch mir am Tiefpunkt der Träsh-Contest-Stimmung rückmeldete, mein Haupthaar sei in seinihren Augen rassistisch. Da kann ich nur sagen, dass das ihre Augen waren, die meinen sogenannten „Afro“ als rassistisch wahrgenommen haben. Je weniger ich mich mit Diskriminierung(svorwürfen) beschäftige, desto weniger bedrücken sie mich.

Oft ist die Welt gar nicht so schlecht und -istisch, wie wir sie interpretieren. Es sind unsere automatisierten Wertungen, die nicht selten zu fundamentalen Missverständnissen führen, wie im Falle besagter Zuschauer*in. In solchen Momenten herzoffen zu bleiben, ist eine Tugend, in der ich mich übe, um den Konflikt nicht noch zu schüren. Der Friede beginnt in dir – da bin ich ganz beim letzten Dalai Lama! (lächelt)

Wenn du auf dein Bühnenleben der letzten Jahre zurückblickst, was sind da so deine Glanzlichter?

Mit Sicherheit meine erste Moderation eines Sommercamp-Galaabends des Jugendnetzwerks Lambda als Parodie Anke Engelkes Parodie von Tic Tac Toe-Mitglied Ricky 2001 (oder war es 2002?), die Auftritte als Juliska aus Buda-buda-pest für die HOSI in Linz und Wien, sowie die Phase als Märyo Däy und die Wiederbelebung des Träsh Contests nach dreijähriger Sommerpause Anfang 2014.

Und gibt es bereits Pläne in deinem Leben, die über den Träsh Contest 2015 hinausreichen?

Not at all! Wie singt schon Luigi Lucheni im Musical „Elisabeth“? „So wie man plant und denkt, so kommt es nie!“ (lacht) Mario hat zwar in den nächsten Wochen rund um seine Buchprojekte Termine in Wien, München und Brüssel, aber ich lebe nur in diesem Augenblick. Keine Ahnung, was da noch so alles kommen mag. Es wird jedenfalls pure Lebensfreude sein und ich freue mich auf alle, die mit mir darin, in dieser ungebremsten Lebendsfreude, gemeinsam unterwegs sind! Welcome, people! Be my guest.

Sehr gerne. Merci, chérie, für das feine Interview und 12 points to you!

MEHR TANA TRANS…WHATEVER HIER! TANA TRANS…WHATEVER BUCHEN!

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